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Axel Berg
 Dr. Axel Berg
Rechtsanwalt & Politologe
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Artikel von und über Axel Berg
Der solare Imperativ

Treffen sich zwei Planeten im All. Fragt der eine: "Wie geht´s?"
Sagt der andere: "Oh schlecht. Ich habe homo sapiens."
Sagt wieder der eine: "Mach Dir keine Sorgen. Das geht vorbei."

Alles entsteht, gedeiht und vergeht. Wir Menschen sowieso. Doch auch die Sonne begann vor gut 4 Mrd. Jahren als Protostern. Kernfusionsprozesse setzten ein. Dadurch wurde ein Strahlungsdruck wirksam, der der Schwerkraft bis heute entgegenwirkt. Das geht noch so 1 Mrd. Jahre munter weiter. Dann dürfte die mittlere Temperatur auf der Erdoberfläche den für höhere Lebewesen kritischen Wert von 30 °C überschreiten. Ein paar Mrd. Jahre später beginnt eine Kontraktionsphase der ausgebrannten Kernzone aus Helium. Dabei wächst der Sonnenradius und die Sonne wird rötlicher, ein Roter Riese. Von der Erde aus gesehen nimmt die Sonne irgendwann einen großen Teil des Himmels ein, und die Erdkruste wird zu einem einzigen Lava-Ozean aufgeschmolzen. Später verliert die Sonne die gesamte äußere Hülle einschließlich der Wasserstoff- und Heliumfusionszone, die zu planetarischem Nebel wird. Der heiße innere Kern, der im Wesentlichen aus hochverdichtetem Kohlenstoff und Sauerstoff besteht, wird freigelegt. Im Zentrum bleibt der strahlende Rest der Sonne, den man als Weißen Zwerg bezeichnet. Noch ein paar Dutzend Mrd. Jahre später wird die Sonne als Schwarzer Zwerg im optischen Spektralbereich gänzlich erlöschen.


Die gute Nachricht ist: Die Sonne wird also noch lange so sein, wie wir sie kennen. So stammen etwa 99,98 % des gesamten Energiebeitrags zum Erdklima von dem Gelben Zwerg. In einer Viertelstunde bietet sie mehr Energie an als unsere Welt heute im Jahr verbraucht. Eine Grenze des nutzbaren Sonnenenergieanteils ist nicht vorstellbar. Die Erde ist ein Energieumwandlungssystem. Indirekte Sonnenenergie sind die Wellenkraft der Gezeiten, die Windkraft und die Biomasse. Der Mensch war lange Zeit durch seine Muskelkraft der effektivste Energieumwandler. Durch die Beherrschung des Feuers und Bewässerungssysteme entstanden Zivilisationsschwerpunkte. Ungezügelter Raubbau und Bodenerosionen führten zu den ersten Völkerwanderungen.

Erst vor 250 Jahren erfand James Watt die Dampfmaschine, was Fließbänder, Arbeitsteilung und Massenproduktion ermöglichte. Industrialisierung, Rohstoff- und Energieverbrauch stiegen steil an und die Dampfeisenbahn revolutionierte den Transportsektor. Die Energieverfügbarkeit ging einher mit gesellschaftlicher Entwicklungsfähigkeit bis zum Rückgang des Bevölkerungswachstums bei der verschwenderischen eine Milliarde Menschen in den Industrie- und Schwellenländern. In diesen überentwickelten Ländern mit extrem hohen Energieverbräuchen hat er praktisch aufgehört. In den unterentwickelten Ländern der sogenannten Dritten Welt ist das Bevölkerungswachstum nicht zu bremsen, weil nicht genug Energie zum Ersatz der menschlichen Arbeitsenergie zur Verfügung steht. Diese sechs Milliarden Menschen möchten am liebsten auch mit so praktischen Energiesklaven leben wie die eine Milliarde.

Die Energiefrage bestimmte fast alle gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kriegerischen Entwicklungen der Menschheit. Kein Wunder, ist Energie doch der erste Schritt jeder Wertschöpfung und insbesondere der Motor moderner Industriegesellschaften. Deshalb sind es letztendlich das Erdöl, das Erdgas und die verschiedenen Kohlearten, die bisher unsere Wirtschaftkreisläufe in Bewegung halten. Sie sind förmlich die Pulsschlagader des Wirtschaftens. Inzwischen haben wir festgestellt, dass gerade der Einsatz dieser fossilen Energieträger durch Verbrennung große Schäden in unserer Umwelt hinterlässt, die wir nicht mehr rückgängig machen können. Es geht inzwischen anerkanntermaßen nur noch darum, die Schäden in ihren Auswirkungen in Grenzen zu halten. Das bedeutet, dass die Antriebsfeder der gesamten Menschheit nicht mehr wie bisher zur Verfügung steht. Das ist eine sehr ernüchternde Erkenntnis.

Die Kolonisierung der letzten Jahrhunderte war eine Form von Imperialismus, um die Verfügungsgewalt über Energievorkommen und andere Rohstoffe zu sichern. Heute sind die Kolonien befreit und machen zum Teil sogar fröhlich mit bei dem jetzt herrschenden Energie-Imperialismus, der für die Nehmerländer gegenüber früher den Vorteil besitzt, dass man meist um die Anwesenheit militärischer Truppen und die lästige Administration der unterdrückten Länder herumkommt.

Die langen Bereitstellungsketten bieten Gewinnabschöpfung an jedem Kettenglied. Die Atomkraft hat mindestens zehn Kettenglieder: Unanbergbau - Urantransport - Herstellung der Brennelemente - Transport der Brennelemente - Stromerzeugung im AKW - Stromverteilung erst in Übertragungs-, dann in Verteilnetze - Zwischenlagerung zur Abreicherung - Transport des Mülls zum vorläufigen Endlager - Entsorgung dort oder in einem echten Endlager, was es derzeit weltweit noch nicht gibt - Bewachung und Bereitstellung von Fachkräften für unvorhergesehene Zwischenfälle bei der Entsorgung über tausende von Jahren. Die Ölverbrennung hat kaum weniger Kettenglieder: Suchen und Finden von Ölblasen - Bohren - Fördern - Transport des Rohöls - Raffinierung - Entsorgung der Reststoffe - Transport zur Verteilung der raffinierten Produkte - Lagerung - Verteilung z.B. in Tankstellen. Die Sonnenenergien haben, außer bei der Biomasse, die als Brennstoff stets neu angebaut und geerntet werden muss, viel weniger Stufen. Meist nur drei: Sonnenenergieumwandlung - Speicherung - Verteilung. Bei der eigenen Anlage auf dem Dach oder auf dem Fabrikgelände gibt es gar keine Stufen mehr und schon gar keine Konzerne, die daran noch verdienen könnten.

Erneuerbare sind am besten lokal und dezentral. Das Atom- oder Ölgeschäft ist international und zentral. Ein Mittelständler ist nicht in der Lage, lange Bereitstellungsketten zu organisieren. Das können nur Konzerne. Zentralisierte Energiegewinnungsformen ließen die heutigen Konzernstrukturen entstehen. Bald kam es zu ersten Kartellabsprachen über Energieprodukte und Marktgebiete. Die Profiteure des heutigen Weltenergiesystems vergrößern die Schere zwischen arm und reich und stellen die Kolonialausbeutung längst in den Schatten. Dem durchschnittlichen Afrikaner geht es heute schlechter als zu Kolonialzeiten. Die Korruption ist so unglaublich subtil, dass es die Betroffenen selbst zum Teil nicht merken. Das ist die schlechte Nachricht.

Die Reserven gehen durch unsere Form des Wirtschaftens zur Neige. Den Peak Oil, also die Hälfte der Förderung der weltweiten Reserven, haben wir schon überschritten. Uran gibt es vielleicht noch für 40 Jahre - ohne KKW-Zubau. Die herrschende fossil-nukleare Verschwendungswirtschaft erzeugt heute schon Umweltschäden, Klimawandel, Gesundheitskosten, Ernteschäden, militärische Sicherungskosten, Arbeitslosenkosten und Subventionen. Hinzu kommen Zukunftskosten wie Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel, Umweltflüchtlinge, sichere Verwahrung biologisch nicht abbaubarer radioaktiver, Schwermetall- und Kunststoffabfälle und vielleicht von CO2. Hinzu kommt die Vernichtung von Naturressourcen, die substanzielle Bedeutung außerhalb der Energiewirtschaft haben, etwa für die chemische oder die pharmazeutische Industrie.

Doch die Rettung ist nah: Unsere Sonne. Sie stellt den Treibstoff endlos und gratis zur Verfügung und die Umwandlungstechniken haben keine Emissionen - außer bei der Biomasse, wo aber nur das frei wird, was die Pflanze zum Wachstum benötigte. Die Netzparität haben wir ebenfalls fast erreicht. Damit kostet eine Wind-kWh genau so viel wie eine Kohle-kWh, hat aber keinerlei Emissionen. Windstrom ist nicht nur emissionsfrei, sondern nähert sich auch zügig den betriebswirtschaftlichen Kosten von konventionellem Strom an. Ältere Windräder an guten Standorten produzieren schon heute zu niedrigeren Preisen als dem an der Strombörse gebildeten Durchschnittswert. Atomstrom ist häufig tagsüber sogar betriebswirtschaftlich und inklusive der Atom-Subventionen teurer als Windstrom ohne EEG-Vergütung. Die Gesamtenergiebilanz von Windkraftanlagen („energetische Amortisationszeit“) ist bemerkenswert: Je nach Anlagentyp ist der Energieeinsatz für die Herstellung, den Betrieb und die Entsorgung nach weniger als einem Jahr Laufzeit ausgeglichen. Kohle- oder Atomkraftwerke dagegen amortisieren sich energetisch nie, da sie immer mehr Energie in Form von Brennstoffen verbrauchen als sie Nutzenergie erzeugen.
Eigentlich ist die Erde mit der sie umgebenden Atmosphäre ein geschlossenes System. Im Verhältnis zur Sonne jedoch ist unsere Biosphäre ein offenes System, durch das die Sonnenenergie strömt. Die Entropiezunahme, also der Verlust vulgo die Emissionen bei der Energieumwandlung, findet auf der Sonne statt. Sie liefert uns "freie Energie", das heißt, wir brauchen keine andere Energie, um sie zu fördern. Die Sonneneinstrahlung erwärmt das Land und die Meere, wo sie absorbiert wird und zu großem Teil in Form von Wärme zurückstrahlt. Überall. Auf der ganzen Erde. Dort, wo Menschen wohnen. Erneuerbare funktionieren lokal und dezentral. Ohne zentrale Kraftwerke, Hochspannungsnetze und Konzernstrukturen. Bei großen Bedarfen lassen sich EE-Anlagen modular zusammenschalten. Die Aufbauzeiten dauert einige Wochen, Genehmigung und Bau eines Kohlekraftwerks Jahre.
Die Sonne und moderne Technik bieten die historische Chance zu einer Energieversorgung ohne weitere Klimaschäden. Ohne Atommüll und ohne die Gefahr atomarer Katastrophen. Ohne Gesundheitsschäden und ohne Zukunftsangst. Ohne Abhängigkeit von Energieimporten und ohne Erpressbarkeit durch Energieriesen. Ohne Verwicklung in internationale Konflikte um Zugang zu den Restressourcen an Öl, Erdgas, Kohle und Uran. Erneuerbare Energien sind als heimische Energie verfügbar. Überall. Der solare Imperativ wird für die Menschheit die einzige Möglichkeit sein, langfristig und in größerer Anzahl zu überleben. Unser Planet leidet schwer an homo sapiens. Das wird auch von niemandem ernsthaft bestritten. Die großen Energiekonzerne von Exxon über BP bis e.on und RWE wollen nur Zeit gewinnen, um noch ein bisschen Geld zu verdienen. Mit nur einem AKW macht man ein bis zwei Millionen € Gewinn. Am Tag. Das ist viel Geld. 11 der 15 größten Unternehmen weltweit sind Energieunternehmen. Nur Öl, Gas, Kohle und Kernkraft brauchen zentrale Einheiten. Die sogenannten Erneuerbaren Sonnenenergien, also Sonne, Wind, Wasser, Geothermie und Biomasse, sind dezentral und regional. So wie der Energieverbrauch ja auch. Deshalb sind auch Desertec und Seatec, Großanlagen in der Wüste oder in der Nordsee zur Stromversorgung weit entfernter Gebiete, weder notwendig noch nachhaltig.
Der Energiekonsument selbst wird zum Sonnenkraftproduzenten. Dies ist nur durch eine zügige und vollständige Umsteuerung unseres Verständnisses von Energie und deren Nutzung erreichbar. Die Menschheit kann den Paradigmenwechsel schaffen. Schlappe 20 Jahre Engagement reichen aus. Wenn sich die Beschleuniger gegen die Verzögerer durchsetzen. Damit die Sonne noch lange auf eine gedeihende Menschheit scheinen kann.
Dr. Axel Berg
Vorsitzender der deutschen Sektion von EUROSOLAR

 

 


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Dr. Axel Berg
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